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Misshandlungsfälle in Alterspsychiatrie: Unabhängige Expertenkommission stellt ihre Ergebnisse vor

Presseaussendung vom 05.11.2019

v.l.n.r.: Dr. Johannes Koinig (Stellvertretender Geschäftsführer Gesundheitsfonds Steiermark), Mag.a Marion Zechner (PatientInnen- und Pflegeombudsschaft), Dr. Erwin Schwentner (Senatspräsident des OLG i.R.), LR Mag. Christopher Drexler, Altbürgermeister Alfred Stingl (Leiter der Unabhängigen Expertenkommission), Eveline Brandstätter, MSc (Pflegedirektorin des LKH Graz II), Univ. Prof. Dr. Karlheinz Tscheliessnigg (Vorstandsvorsitzender der KAGes) © steiermark.at / Streibl
v.l.n.r.: Dr. Johannes Koinig (Stellvertretender Geschäftsführer Gesundheitsfonds Steiermark), Mag.a Marion Zechner (PatientInnen- und Pflegeombudsschaft), Dr. Erwin Schwentner (Senatspräsident des OLG i.R.), LR Mag. Christopher Drexler, Altbürgermeister Alfred Stingl (Leiter der Unabhängigen Expertenkommission), Eveline Brandstätter, MSc (Pflegedirektorin des LKH Graz II), Univ. Prof. Dr. Karlheinz Tscheliessnigg (Vorstandsvorsitzender der KAGes)
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v.l.n.r.: LR Mag. Christopher Drexler und Altbürgermeister Alfred Stingl © steiermark.at / Streibl
v.l.n.r.: LR Mag. Christopher Drexler und Altbürgermeister Alfred Stingl
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Landesrat Christopher Drexler hat nach Bekanntwerden von Misshandlungsvorwürfen in der Alterspsychiatrie des damaligen LKH Graz Süd-West Standort Süd (nunmehr LKH Graz II), eine Unabhängige Expertenkommission eingesetzt, um für eine lückenlose Aufklärung dieser Vorkommnisse zu sorgen und zu Systemverbesserungen zu gelangen, die solchen Vorfällen keinen Platz mehr geben. Die Kommission unter der Leitung des Grazer Altbürgermeisters Alfred Stingl hat im August 2018 ihre Arbeit aufgenommen und sich mit großem Engagement und Zeitaufwand über ein Jahr hinweg der Aufarbeitung der Vorfälle gewidmet. Erste Verbesserungen auf Vorschlag der Kommission konnten bereits eingeleitet und umgesetzt werden. Im Herbst 2020 sollen diese und weitere noch folgende Maßnahmen evaluiert werden.

18 Kommissionssitzungen, zahlreiche Gespräche und Gutachten als Basis
Die siebenköpfige Expertenkommission setzt sich neben ihrem Vorsitzenden Altbürgermeister Alfred Stingl aus Generaloberin Mutter Buonaventura Holzmann (Elisabethinen Graz), Dr. Johannes Koinig (Stellvertretender Geschäftsführer Gesundheitsfonds Steiermark), Prim.a Dr.in Christa Rados (Abteilungsvorständin im Landeskrankenhaus Villach und Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie), Dr. Erwin Schwentner (Senatspräsident des OLG i.R.), Mag.a Renate Skledar (sie wurde nach ihrem Pensionsantritt am 1. Juli 2019 von Mag.a Marion Zechner von der PatientInnen- und Pflegeombudsschaft vertreten) und Mag.a Ingrid Tscherner (Richterin am Landesgericht für Zivilrechtssachen Graz) zusammen. Die erste Sitzung hat am 29. August 2018 stattgefunden, insgesamt wurden im Zeitraum von etwa einem Jahr 18 Kommissionssitzungen abgehalten. Unter anderem wurden dabei stundenlange Angehörigengespräche geführt, die Stationen des LKH Graz II, Standort Süd, besucht und Gespräche mit Ärzten und Pflegepersonen sowie Patienten selbst geführt. Bereits Ende 2018 konnten auf dieser Basis erste Zwischenergebnisse der Unabhängigen Expertenkommission präsentiert werden. Die Erhebungen der Kommission in Verbindung mit eingeholten Expertengutachten bildeten nunmehr die Grundlage für die Zusammenführung der Erkenntnisse in einem Schlussbericht.

Zielsetzung: Patientinnen und Patienten am besten dienen
Wie Kommissionsvorsitzender Alfred Stingl erklärt, bestand die zentrale Frage mit der sich die Kommission in ihrer Tätigkeit befasste, darin, wie den Patientinnen und Patienten am besten gedient werden könne. Welche Rahmbedingungen es also geben müsse, damit solche Misshandlungsfälle nicht mehr geschehen.
Nach Aussagen der Kommission wurde relativ schnell klar, dass das Ineinanderwirken mehrerer Faktoren zu den besagten Vorfällen geführt hat. Diese reichen von erheblichen organisatorischen Missständen und der Personalplanung über die zu hohe Arbeitsbelastung in einem so schwierigen Bereich, notwendige bauliche Maßnahmen bis hin zur internen Kommunikation.
Insgesamt wurden elf Punkte hervorgehoben, in denen seitens der Kommission Verbesserungsbedarf erkannt und für die konkrete Handlungsvorschläge formuliert wurden. Externe Verknüpfung (siehe Beilage)

Verbesserungen bei Personal- und Raumsituation
Die Kommission hatte unmittelbar nachdem sie mit der Untersuchung der Misshandlungsvorwürfe betraut wurde, Kontakt mit den Verantwortlichen der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft mbH sowie der Klinikleitung des damaligen LKH Graz Süd-West, Standort Süd aufgenommen. In einem intensiven Dialog konnten auf diesem Wege bereits erste kurzfristig mögliche Maßnahmen auf Anraten der Kommission eingeleitet und umgesetzt werden. So wurden vor allem die von der Kommission und den eingeholten Gutachten scharf kritisierten organisatorischen Mängel beseitigt. Mit 1. Jänner 2019 hat eine neue Pflegedirektorin ihren Dienst angetreten, bereits davor wurde die vakante Stelle einer Oberschwester in der Alterspsychiatrie neu besetzt. Der Bereich Pflege wurde personell verstärkt und um fünf Dienstposten aufgestockt. 12-Stundenschichten für das Pflegepersonal wurden auf 8-Stundentage zurückgeführt. Eine monatliche Supervision für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurde eingeführt, um entsprechende Unterstützung im fordernden Arbeitsalltag zu bieten und mögliche Probleme frühzeitig identifizieren und ausräumen zu können. Von der Kommission stark bemängelt wurden zudem im Bereich der Alterspsychiatrie bestehende, unzeitgemäße Sechsbettzimmer. Die Verantwortlichen betonten, dass tunlichst vermieden wird, diese zur Gänze zu belegen. Weitere Schritte zur Reduktion der maximalen Bettenanzahl wurden zudem eingeleitet. Derzeit wird ein zweiter Zubau errichtet, der ab Mitte 2020 die Raumsituation verbessern wird.

Elf Themenfelder mit Handlungsempfehlungen - Evaluierung im Herbst 2020
Nach dem laufenden Erkenntnisaustausch der Kommission mit den Verantwortlichen und der Einleitung und Umsetzung erster Maßnahmen wurden mit der Vorstellung der Ergebnisse weitere umfassende Handlungsempfehlungen in elf Themenfeldern abgegeben, die für eine nachhaltige Verbesserung der Situation an der Alterspsychiatrie am LKH Graz II sorgen sollen. Im Herbst 2020 wird eine Evaluierung in Hinblick auf die Wirksamkeit der vorgeschlagenen Maßnahmen durchgeführt. Außerdem betont die Kommission, dass es generelle Verbesserungen und eine Aufwertung im Bereich der Pflegeberufe braucht - genau wie eine Ausbildungsoffensive für junge Menschen und etwa einen verstärkten Zuwachs an ausgebildeten Pflegerinnen und Pflegern für den stationären Bereich.

Stingl: „Alterspsychiatrie ist mir ein Herzensanliegen geworden"
„Ich bin dankbar für das Vertrauen des Landesrats in die Kommission und, dass es gelungen ist, mit den Verantwortlichen binnen kurzer Zeit entscheidende Verbesserungen für alle Beteiligten - die Patientinnen und Patienten, die Ärztinnen und Ärzte, das Pflegepersonal und die Angehörigen - herbeizuführen. Die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema an sich und die Gespräche mit konkret befassten und betroffenen Menschen hat dazu geführt, dass mir die Alterspsychiatrie im Allgemeinen und die Situation im LKH Graz II Standort Süd im Speziellen ein Herzensanliegen geworden ist. Insofern betrachte ich mein diesbezügliches Engagement mit Vorliegen des Endberichts nicht als abgeschlossen", betont der Leiter der Unabhängigen Expertenkommission, Altbürgermeister Alfred Stingl.

LR Drexler: „Missstände und Vorfälle mit ganzer Kraft verhindern"
Landesrat Mag. Christopher Drexler: „Ich danke allen Mitgliedern der Unabhängigen Expertenkommission, allen voran ihrem Vorsitzenden Alfred Stingl, für die Bereitschaft sich der umfassenden Aufarbeitung der Misshandlungsfälle am LKH Graz Süd-West, Standort Süd so umfassend anzunehmen. Sie haben sich ab August 2018 mit viel Empathie, Hingabe und großem Zeitaufwand der Untersuchung der Vorfälle gewidmet und intensiv beleuchtet, wie im Interesse der Patientinnen und Patienten Verbesserungen erreicht werden können und was für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter getan werden kann, um sie in ihrem fordernden Tätigkeitsfeld zu unterstützen. Ich danke für die klaren Empfehlungen und die umfassenden Handlungsanleitungen. Ich möchte mich noch einmal bei allen Patientinnen und Patienten, denen Leid zugefügt wurde und ihren Angehörigen, in aller Form entschuldigen. Wir werden alles daran setzen, Missstände und solche kaum fassbaren Vorfälle für die Zukunft mit ganzer Kraft zu verhindern. Gleichzeitig will ich aber nicht verabsäumen, den vielen engagierten Pflegepersonen und den Ärztinnen und Ärzten, die im herausfordernden Umfeld der Alterspsychiatrie und darüber hinaus Dienst am Menschen im besten Wortsinn leisten, zu danken."




Michael Eisner
Pressesprecher
Büro Landesrat Mag. Christopher Drexler
Tel.: 0316/877 4471
Mail: michael.eisner@stmk.gv.at 

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