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Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Senologie in Graz:

Mehr Brustgesundheit durch Forschung und Kommunikation

Resch, Peininger, Drexler © Foto Fischer
Resch, Peininger, Drexler
© Foto Fischer
Resch, Peintinger, Drexler © Foto Fischer
Resch, Peintinger, Drexler
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Von 27. bis 29. September 2018 findet die Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Senologie (ÖGS) im Congress Graz statt. Die ÖGS ist ein interdisziplinäres Forum für Brustgesundheit. Sie verfolgt das Ziel, alle mit Brustdrüsenerkrankungen befassten Fachrichtungen zusammenzuführen und den Erfahrungsaustausch zu fördern. Die Inhalte der Tagung sowie aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema „Brustkrebs" waren am Freitag Thema eines Pressegesprächs mit der Präsidentin der ÖGS, Univ. Prof. Dr. Alexandra Resch, der Organisatorin der Tagung, Univ. Prof. Dr. Florentia Peintinger und Gesundheitslandesrat Mag. Christopher Drexler.

Wie Präsidentin Resch erklärte, hat sich die ÖGS seit 1983 der Brustgesundheit von Frauen verpflichtet: „Wir sehen eine unserer wesentlichsten Aufgaben darin, gesunde Frauen über Brustkrebs zu informieren und sind daher schon seit langer Zeit in der Vorsorge und Früherkennung aktiv. Um dieses Ziel zu erreichen, sind aber auch bewusstseinsbildende und gesundheitspolitische Maßnahmen notwendig. Dafür arbeiten wir hier eng mit anderen Organisationen wie der Krebshilfe zusammen."

Darüber hinaus will die Gesellschaft den Erfahrungsaustausch zwischen Wissenschaftlern verschiedener medizinischer Disziplinen fördern. „Wir verfolgen auch das Ziel, mit unseren Fortbildungsangeboten neben der eigenen Spezialisierung die Gesamtkompetenz zu erhöhen. Durch unsere Gemeinschaft von sowohl in der Forschung als auch in der Praxis tätigen Kollegen, können wir auch gewährleisten, dass die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse in der täglichen Routine umgesetzt werden", so Resch.

Dr. Florentia Peintinger schilderte neue Erkenntnisse in der Diagnose von Brustkrebs: „Zehn Prozent der Brustkrebserkrankungen entstehen aufgrund von Veränderung im Erbgut. Diese Mutationen sind einerseits vererbbar und andererseits mit einem hohen Risiko sowohl für Brustkrebs als auch für Eierstockkrebs verbunden. Mit einer neuen Technik, dem ‚Next Generation Sequencing‘, ist es jetzt möglich sehr schnell das Erbgut auf weitere Mutation zu durchsuchen, die mit dem Ausbruch anderer vererbbarer Krebserkrankung zusammenhängen."

In der Therapie von metastasiertem Brustkrebs werde jeden Moment die Möglichkeit des Einsatzes der Immuntherapie erwartet, die bereits bei anderen Krebserkrankungen hoffnungsvolle Ergebnisse zeigte. In der Brustchirurgie laute der Trend „weniger, aber gezielt".  „Das soll einerseits durch spezielle Techniken gelingen, mit denen gezielt Lymphknoten entfernt werden, um Nebenwirkungen zu reduzieren. Andererseits ist es unter bestimmten Voraussetzungen, bei Patientinnen die vorher eine Chemotherapie erhalten und keinen Resttumor haben, sogar möglich auf die nachfolgende Operation zu verzichten." In der Strahlentherapie hätten aktuelle Untersuchungen gezeigt, dass eine kurze Bestrahlung nach Brustkrebs - nämlich drei Wochen statt wie bisher fünf bis sechs Wochen - bei bestimmten Krankheitsmerkmalen sowohl in der Effektivität als auch in der Kosmetik vergleichbar seien. Für die Patientinnen würde die tägliche Strahlentherapie dadurch um zwei bis drei Wochen verkürzt.

Gesundheitslandesrat Christopher Drexler betonte die Bedeutung der neuen Erkenntnisse und der Bewusstseinsbildung: „Ich bin der Österreichischen Gesellschaft für Senologie dankbar für ihre wertvolle Arbeit für die Brustgesundheit. Die Medizinerinnen und Mediziner, Expertinnen und Experten, die aktuell hier in Graz tagen, um Erfahrungen auszutauschen und neue Erkenntnisse zu erlangen, leisten einen entscheidenden Beitrag zur Weiterentwicklung von Diagnose- und Therapiemöglichkeiten bei Brustkrebserkrankungen. Ich erlaube mir aber zu sagen, dass ein noch wichtigeres Ergebnis die Bewusstseinsbildung ist. Auf die Wichtigkeit der Früherkennung hinzuweisen und Risikofaktoren aufzuzeigen, um Brustkrebs erst gar keine Chance zu geben, bleibt das Ziel - auch wenn die Bekanntheit der Maßnahmen im Großen und Ganzen bereits sehr hoch ist"

Landesrat Drexler unterstrich, dass er als Politiker einen Beitrag zu noch mehr Bewusstsein für Brustkrebs leisten will: „Wir müssen das Thema "Brustkrebs" noch stärker in die öffentliche Diskussion bringen, um Zielgruppen zu erreichen, die die Angebote zur Früherkennung bisher noch zu wenig in Anspruch nehmen. Denn wir haben kompetenteste Anlaufstellen - unsere Ärztinnen und Ärzte im niedergelassenen Bereich wie auch in den vier steirischen Brustgesundheitszentren in den Landeskrankenhäusern."

Resch und Peintinger hoben die Bedeutung des Brustkrebs-Früherkennungsprogramms hervor. In den Jahren 2014 und 2015 haben 366.266 Frauen in der Altersgruppe 50 bis 59 Jahre daran teilgenommen. 274.519 waren es im Alter zwischen 60 und 69 Jahren, 162.498 in der Altersgruppe 70 Plus. „In der Gruppe der 60-70-jährigen Frauen, die ein besonders hohes Erkrankungsrisiko und eine sehr gute Detektionsrate aufweist, ist die Teilnahmequote weiterhin viel zu niedrig. Das ist vermutlich zum Teil auch auf eine falsche ‚awareness‘ zurück zu führen, die scheinbar öfter jüngere Frauen betrifft", erklärten Resch und Peintinger. Sie wollen neue Kommunikationswege erschließen um dem zu begegnen. Die laufende Verbesserung der Datenqualität und darauf aufbauende Evaluierungen nennen die beiden Expertinnen als weiteres Ziel, um die richtigen Maßnahmen für die Zukunft ableiten zu können.

Univ. Prof. Dr. Florentia Peintinger
Kassierin der ÖGS, Kongresspräsidentin
florentia.peintinger@medunigraz.at
+43 664 35 57 865Externe Verknüpfung www.senologie.at

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