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Gesundheitsversorgung 2025 im Bezirk Liezen

Presseinformation vom 17.05.2018

Rahmenbedingungen geklärt - Leitspital wird gebaut - optimale flächendeckende medizinische Versorgung gesichert

Wir haben in der Steiermark ein Gesundheits- und Spitalswesen, das ausgezeichnet funktioniert und auf das wir zu Recht sehr stolz sein können. Und obwohl das so ist, sind wir gefordert, aufgrund der massiven Veränderungen der Rahmenbedingungen, die sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten ergeben haben, aktiv zu reagieren, um das „System" fit für die nächsten Generationen zu halten bzw. zu machen, zumal die grundgelegte Struktur des Gesundheitssystems in der Steiermark ungefähr 100 Jahre alt ist.

Welche Rahmenbedingungen haben sich verändert?

  • Die Krankheitsbilder der Bevölkerung haben sich verändert (z.B. Multimorbidität, chronische Erkrankungen).
  • Die Gesellschaft wird immer älter, daher braucht es sowohl im stationären, im mobilen als auch im niedergelassenen Bereich neue Versorgungs- und Betreuungsformen.
  • Die Wegzeiten zu einem Spital oder einem Arzt bzw. einer Ärztin sind durch die Mobilität der Bevölkerung und den Ausbau der Infrastruktur kürzer geworden. Wir haben ein flächendeckendes und exzellent funktionierendes Notarzt-Wesen, das in zeitkritischen Fällen zum Patienten und zur Patientin kommt.
  • Der medizinische Fortschritt und der medizinisch-technische Fortschritt, aber auch die Spezialisierung in den medizinischen Fachdisziplinen haben die Behandlung von Patientinnen und Patienten wesentlich erleichtert - Krankenhausaufenthalte haben sich verkürzt, ambulante Versorgungen an Bedeutung gewonnen und machen somit andere Versorgungsstrukturen - notwendig
  • Steigerung des Qualitätsanspruches in der medizinischen Behandlung: Ein wesentlicher Indikator ist eine ausreichende „Fallzahl" zur Aufrechterhaltung der ärztlichen Routine, die nur dann gegeben ist, wenn ein ausreichendes Einzugsgebiet und dadurch eine bestimmte Spitalsgröße vorhanden ist.
  • Das Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz, das derzeit noch in einer Übergangsphase ist, stellt die Krankenhausbetreiber schon jetzt - aber vor allem ab 2021 - vor große Probleme und erzeugt einen Ärztemangel in den Spitälern;
  • auch im niedergelassenen Bereich bei den Hausärztinnen und Hausärzten ist außerhalb der Städte in den nächsten Jahren mit einem Ärztemangel zu rechnen.
  • Viele junge Ärztinnen und Ärzte wollen flexibel im Team arbeiten. Diese müssen wir ihnen als Alternative zur Einzelordination anbieten können.
     

Wenn wir alle Strukturen so beibehielten, wie sie derzeit sind, dann wird das qualitätsvolle und flächendeckende Gesundheitssystem in der Steiermark früher oder später nicht mehr aufrechtzuerhalten sein.

Ein modernes Gesundheitssystem braucht eine auf diese Veränderungen abgestufte wohnortnahe allgemeinmedizinische, spezialisierte fachärztliche, notärztliche und stationäre Versorgung.

Mit dem Regionalen Strukturplan Gesundheit Steiermark 2025 (RSG-St 2025) wurde im Juni 2017 beschlossen, im Bezirk Liezen die drei bestehenden Krankenhäuser (Bad Aussee, Rottenmann und Schladming) zu einem größeren Leitspital zusammenzufassen. Dadurch können die medizinischen Kapazitäten gebündelt und in Zukunft mehr Fächer angeboten werden als derzeit an den bisherigen drei Standorten zusammen. Das neue Leitspital wird somit die Qualität der medizinischen Versorgung für die Bevölkerung im Bezirk Liezen deutlich verbessern und die Attraktivität des Bezirkes für Ärztinnen und Ärzte erhöhen. Durch das breitere medizinische Angebot werden die Patientinnen und Patienten noch besser versorgt. Die höheren Fallzahlen sichern die Behandlungsqualität und ermöglichen ein Mehr an Weiterbildungs- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten für die jungen Ärztinnen und Ärzte.

Das Leitspital Liezen wird mit 226 Betten - davon 6 tagesklinischen Betten - in den Fächern:

  • Allgemeinchirurgie
  • Innere Medizin
  • Orthopädie/Traumatologie
  • Gynäkologie und Geburtshilfe
  • Akutgeriatrie und Remobilisation
  • Intensivmedizin
  • Palliativmedizin
  • Ambulanz mit dem Zusatzangebot Kinderheilkunde (NEU) sowie
  • Ambulanz mit dem Zusatzangebot Neurologie (NEU)
     

für die ambulante und stationäre medizinische Versorgung von 80.000 Bewohnerinnen und Bewohner im Bezirk Liezen sorgen.

Darüber hinaus werden alle drei bisherigen Spitalsstandorte weiterhin zur Gesundheitsversorgung der Steirerinnen und Steirer beitragen. Es werden Gesundheitszentren und Facharztzentren entstehen, die die medizinische Versorgung im Bezirk Liezen weiter verbessern.

Was ist ein Gesundheitszentrum?

Ein Gesundheitszentrum ist - ergänzend zu den bestehenden Hausärztinnen und Hausärzten - die erste Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten. Sie begleiten die Menschen künftig ein Leben lang in Gesundheitsfragen. In den Gesundheitszentren erfolgen in multiprofessionellen Teams (Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner gemeinsam mit z.B. Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten, Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten sowie diplomiertes Gesundheits- und Krankenpflegepersonal) die diagnostische Abklärung, die medizinische Betreuung und Beratung sowie die Festlegung der weiteren medizinischen Vorgangsweise. In dieser wohnortnahen Struktur mit attraktiveren Öffnungszeiten - auch am Tagesrand und am Wochenende - erfolgt die langfristige medizinische und therapeutische Begleitung der Menschen der Region. Auch längere Therapien können gemeinsam mit den Teams der Gesundheitszentren absolviert werden. Hausbesuche sollen verstärkt möglich werden.

Der umfassende Informationsstand zur Gesundheit der Patientinnen und Patienten soll unnötige Wege, Fehlzuweisungen oder Verzögerungen in der Behandlung verhindern. Sogar Spitalsaufenthalte können reduziert werden. Die Gesundheitszentren stehen für eine bedarfsorientierte und individuelle Behandlung für jede Steirerin und jeden Steirer und ergänzen somit das bestehende Hausärzte-System.

Im Bezirk Liezen sind im RSG-St bis 2025 vier Gesundheitszenten vorgesehen: Bad Aussee, Liezen, Schladming und Trieben/Rottenmann. Darüber hinaus soll zusätzlich ein Gesundheitszentrum in Admont umgesetzt werden.

Was ist ein Facharztzentrum?

Ein Facharztzentrum ist ein Zusammenschluss von mehreren fachärztlichen Disziplinen unter einem Dach mit ambulanter Versorgung. Ziel ist es, den Patientinnen und Patienten lange Wege zu ersparen sowie eine bessere Abstimmung und Betreuung zu erreichen. Auch, wenn die Möglichkeit bestehen bleibt, ohne Überweisung direkt zum Facharzt bzw. zur Fachärztin zu gehen, entsteht durch eine Überweisung seitens des Gesundheitszentrums/Hausarztes oder der Hausärztin ein direkter Weg zur richtigen Behandlung: Umwege fallen weg, Fehlzuweisungen werden ausgeschlossen und der Behandlungsbeginn kann rascher erfolgen.

Im Bezirk Liezen werden in Rottenmann und Schladming Facharztzentren entstehen, in Bad Aussee wird ein Gesundheitszentrum mit fachärztlicher Erweiterung umgesetzt. Das fachärztliche Angebot wird nach regionalspezifischem Bedarf von der Inneren Medizin und Chirurgie über die Geburtshilfe und Gynäkologie, Radiologie bis zur Unfallchirurgie und Orthopädie reichen.

Für den Bezirk Liezen würde sich demnach folgende medizinische Versorgungslandkarte ergeben.

Zusätzlich zu den bestehenden Gesundheits- und Facharztzentren gibt es im Bezirk Liezen 26 Einzelplanstellen für Allgemeinmedizin (Kassenstellen), 24 Planstellen für Fachärztinnen und Fachärzte (Kassenstellen) sowie ein sozialpsychiatrisches Ambulatorium - auch für Kinder-, Jugend- und Alterspsychiatrie sowie zwei weitere psychosoziale Beratungsstellen.

Weiterhin garantiert ist die schon jetzt bestens funktionierende flächendeckende Notarztversorgung.

Ein neues Leitspital im Bezirk Liezen

Die für die Entscheidung zum Bau eines Leitspitals im Bezirk Liezen notwendigen Antworten auf folgende Fragen

1. An welchem Standort soll das neue Leitspital errichtet werden?

2. Wer wird das neue Leitspital betreiben?

3. Wie erfolgt die Finanzierung des neuen Leitspitals?

 

liegen nun vor. Somit steht einer Realisierung des Leitspitals im Bezirk Liezen nichts mehr im Wege.

An welchem Standort soll das neue Leitspital errichtet werden?

Das Ziel für die Entwicklung eines Leitspitals für den Bezirk Liezen ist die Schaffung einer bedarfsorientierten fachlich-medizinischen, qualitativ hochwertigen (durch die Erreichung von Mindestfallzahlen), wirtschaftlich und - nach dem schrittweisen Inkrafttreten des Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetzes - personell stabil gestaltbaren Struktur.

Dieses Ziel ist nur umsetzbar, wenn die Kapazitäten an einem Standort gebündelt werden können, um tragfähige Abteilungsgrößen zu erreichen, die genügend PatientInnen-Frequenzen haben, um die fachliche Routine halten zu können. Damit können auch Fächer wie Allgemeinchirurgie, Innere Medizin, Intensivmedizin, Palliativmedizin, Gynäkologie und Geburtshilfe, Akutgeriatrie und Remobilisation, Orthopädie und Traumatologie qualitätsvoll sichergestellt werden und zusätzlich Kinderheilkunde und Neurologie (als Ambulanzen) angeboten werden.

Das neue Leitspital soll den größtmöglichen Teil des Bezirks Liezen als Einzugsgebiet bedienen können, darauf wurden die Dimensionierung der Bettenzahl und die fachliche Struktur ausgerichtet. Dies wird nur dann erreicht, wenn das neue Leitspital an einem Standort positioniert ist, sodass es für ein Maximum der Bevölkerung gut erreichbar ist und an den hauptsächlich genutzten Verkehrsrouten liegt.

Ein Standort im Raum Trautenfels (mutmaßlich Gemeinde Stainach-Pürgg) schließt die Gemeinden um Schladming ebenso in die 30-Minuten-Erreichbarkeit mit ein wie das gesamte Ausseer Land. Im Osten ist weiterhin Admont eingeschlossen.

Somit leben in diesem Fall ca. 70.000 Menschen (das entspricht ca. 88% der Bevölkerung des Bezirks) innerhalb von 30 Minuten Erreichbarkeit um den vorgeschlagenen Standort.

Wer wird das neue Leitspital betreiben?

Die Steiermärkische Krankenanstalten Gesellschaft mbH (im Folgenden KAGes) sowie die Klinik Diakonissen Schladming GmbH (im Folgenden KDS) haben aufgrund zahlreicher Vorgespräche ihr Interesse bekundet, das Leitspital Liezen gemeinsam zu betreiben. Dabei wird die KAGes im stationären Bereich für die medizinischen Fächer Innere Medizin, Chirurgie, Anästhesie, Geburtshilfe und Gynäkologie sowie Intensivmedizin und die KDS im stationären Bereich für die medizinischen Fächer Orthopädie und Traumatologie, Akutgeriatrie/ Remobilisation und Palliativ sowie den Betrieb der dislozierten Unfallambulanz in Schladming verantwortlich sein. Details werden in den nächsten Monaten unter Vorgabe der Qualitätsstandards der KAGes erarbeitet.

 

Da die Arbeitsmarktsituation sowohl für Pflegekräfte als auch für Ärztinnen und Ärzte nachfrageorientiert ist, wird von Seiten der KAGes wie auch der KDS eine Arbeitsplatz-Garantie für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im jeweiligen Unternehmen angestrebt.

Wie erfolgt die Finanzierung des neuen Leitspitals?

Die Finanzierung eines Leitspitals mit geschätzten Bau- & Entwicklungskosten, inkl. Ausstattung von max. 250 Mio. Euro stellt den Landeshaushalt vor eine große Herausforderung. Nach ersten Prüfungen kommt sowohl eine Finanzierung über ein Public Private Partnership-Modell (PPP-Modell) wie auch eine klassische Finanzierung über den Landeshaushalt in Frage. Eine finale Entscheidung wird im Rahmen der weiteren Umsetzung des Projektes getroffen werden.

Um eine - wie im RSG-St 2025 beschlossene - Fertigstellung bis 2025 zu ermöglichen, ist es notwendig, umgehend mit den Vorbereitungsarbeiten zu beginnen.

Als unmittelbare weitere Vorgangsweise sind so rasch wie möglich folgende Punkte zu bearbeiten:

  • Prüfung geeigneter Grundstücke
  • Verfahren (Raumordnungsgesetz)
  • Erstellung eines medizinischen Funktionsplanes für das neue Leitspital
  • Überprüfung der verkehrstechnischen Anbindungen zum Leitspital
  • Entscheidung betreffend Finanzierungsmodell
     

Die Steirerinnen und Steirer sollen gesünder sein und länger leben als der Rest der Welt. Mit der Neuordnung der Gesundheitsversorgung im Bezirk Liezen ab dem Jahr 2025 wird ein MEHR an medizinischer Versorgung qualitätsvoll und stabil für die Bevölkerung sichergestellt.

 

Josefa Umundum
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Büro Landesrat Mag. Christopher Drexler
Tel. 0316-877 2683, Mobil: 0676/86662683
Mail: josefa.umundum@stmk.gv.at

Versorgungsstruktur Liezen © Gesundheitsfonds/Stmk
Versorgungsstruktur Liezen
© Gesundheitsfonds/Stmk
Schwarz, Lackner, Drexler, Lackner © Birgit Steinberger
Schwarz, Lackner, Drexler, Lackner
© Birgit Steinberger
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