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Die neue Unsicherheit. Europa in den Zeiten Trumps

Geist&Gegenwart

Prof. Münkler & LR Drexler © Fischer
Prof. Münkler & LR Drexler
© Fischer

Der renommierte deutsche Politikwissenschaftler Herfried Münkler lieferte eine profunde Analyse der weltpolitischen Lage.

Fast 200 Interessierte konnte Wissenschaftslandesrat Christopher Drexler am 13. März in der Aula der Alten Universität bei einer weiteren Folge der Dialogreihe „Geist und Gegenwart" begrüßen. Mit dem angesehenen deutschen Politikexperten Herfried Münkler, der auch als ordentlicher Professor an der Humboldt Universität zu Berlin lehrt, konnte diesmal wieder ein brillanter Kopf als Referent gewonnen werden. „Für Unsicherheit braucht es in diesen Tagen nicht die Vereinigten Staaten allein - es wird immer schwieriger, auf die aktuellen Geschehnisse in der Welt vernünftige Antworten zu finden", so Drexler in seiner Begrüßung. Er verwies auch auf den Pfingstdialog, der heuer von 31. Mai bis 2. Juni auf Schloss Seggau in Leibnitz stattfindet und unter dem Generalthema „Europa.USA.3.0" steht. „Als wir uns vor mehr als einem Jahr dieses Thema überlegt hatten, ging es uns um die Weiterentwicklung der transatlantischen Beziehungen. Nun hat die Thematik eine brisante Aktualität bekommen", so der Landesrat.

 

Münkler sprach in seinem Vortrag über die Vielzahl an Unsicherheitsfaktoren, mit denen Europa derzeit konfrontiert sei. „Nicht nur Trump und seine Administration sorgen für Unsicherheit, sondern auch Putin und Erdogan. Im Nahen Osten entwickelt sich ein neuer 30jähriger Krieg, geführt von Warlords. Der Türkei kommt - nicht nur in diesem Konflikt - eine geopolitische Schlüsselrolle zu", erklärte Münkler. Die Unsicherheit der USA gehe schon auf Trumps Vorgänger zurück. „Sowohl Obamas Nicht-Eingreifen in Syrien als auch Bushs Eingreifen im Irak waren dafür ausschlaggebend." Die fehlende Präsenz des ehemaligen Weltpolizisten USA habe eine Lücke hinterlassen. „Europa müsste nun selbst reagieren, kann es aber nicht", analysierte der Politikexperte. Den Westen als Stabilisator gäbe es nicht mehr: „Das ist das Ende des Westens, wie wir ihn kannten." Die Folgen könnten fatal sein, warnte Münkler: „Historisch war ein solcher Rückzug des, Global Cops‘ immer mit einer steigenden Wahrscheinlichkeit für Kriege verbunden."

Neben dem Nahen Osten sei aber auch die Sahelzone ein Pulverfass, gefüllt mit Bürgerkriegen, sich stetig verschlechternden Klimaverhältnissen, Hungerkrisen und dramatischem Bevölkerungswachstum. „Nigeria hat zum Beispiel eine fünf Mal so große Bevölkerung wie Syrien. Wenn von dort Flüchtlinge nach Europa strömen, sind wir mit ganz anderen Dimensionen konfrontiert."

 

Die EU hält Münkler für überdehnt, die Anforderungen überstiegen derzeit die Fähigkeiten des Staatenbundes. „Das resultiert aus der Integration sämtlicher interessierter Staaten zu den gleichen Bedingungen. Das Ergebnis sind Zentrifugalkräfte, die die Europäische Union seit rund einem halben Jahrzehnt faktisch lähmen." Dies führe auch zu der Sehnsucht nach einer kleinräumigen Ordnung, die dem Brexit, aber auch dem Neo-Isolationismus Trumps Vorschub leiste. Ein Lösungsansatz sei laut Münkler „ein Kerneuropa mit abgeflachten Rändern"; ebenso unerlässlich sei eine „kluge, weitsichtige Flüchtlingspolitik".

 

Infos zum Pfingstdialog finden Sie hier: http://Externe Verknüpfung www.geistundgegenwart.at/pfingstdialog/

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