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Gesundheitsbericht für die Steiermark 2015

v.l.n.r.: Sandra Marczik-Zettinig (Gesundheitsfonds Steiermark), GKK-Obfrau Verena Nussbaum, Gesundheitslandesrat Christopher Drexler  © Gesundheitsfonds
v.l.n.r.: Sandra Marczik-Zettinig (Gesundheitsfonds Steiermark), GKK-Obfrau Verena Nussbaum, Gesundheitslandesrat Christopher Drexler
© Gesundheitsfonds

Obwohl sich die die Steirerinnen und Steirer über eine gute und steigende Lebenserwartung freuen dürfen, sind sie häufig zu dick, bewegen sich zu wenig und leiden unter psychischen Belastungen und Krankheiten. Um das Ziel, eine bessere Gesundheit und hohe Lebensqualität der Bevölkerung zu erreichen, steht den Steirerinnen und Steirern noch ein langer Weg bevor. Dieser kann nur mit Beteiligung von anderen Bereichen, wie z.B. Bildung, Arbeit und Umwelt, bestritten werden.

Ziel des Gesundheitsberichtes ist die Darstellung des Gesundheitszustandes und des Gesundheitsverhaltens der erwachsenen steirischen Bevölkerung sowie der gesundheitsrelevanten Rahmenbedingungen und des gesundheitsrelevanten Verhaltens im Hinblick auf die Steirischen Gesundheitsziele. Erstmals werden im Gesundheitsbericht Steiermark 2015 alle steirischen Gesundheitsziele behandelt. Mit den steirischen Gesundheitszielen, die bereits 2007 vom Landtag Steiermark beschlossen worden sind, sollen Rahmenbedingungen geschaffen werden, sodass die Steirerinnen und Steirer möglichst lange gesund bleiben.

„Wie schon in den vergangenen Jahren zeigt der Gesundheitsbericht Steiermark, dass ausgewogene Ernährung und moderate Bewegung einen wesentlichen Anteil an der Gesundheit der Steirerinnen und Steirer haben. Damit können viele Erkrankungsmerkmale, die im schlimmsten Fall zu Schlaganfällen oder Herzinfarkten führen frühzeitig erkannt oder sogar verhindert werden. Neben diesen Zielen, die Rahmenbedingungen für Prävention zu verbessern, bleibt die leistbare und qualitativ hochwertige Versorgung im Krankheitsfall ein zentrales Thema der steirischen Gesundheitspolitik", sieht Gesundheitslandesrat Christopher Drexler die wesentlichen Aufgaben.

Verena Nussbaum, Obfrau der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse, geht noch einen Schritt weiter: „Unser Ziel muss sein, dass möglichst viele Steirerinnen und Steirer erst gar nicht krank werden. Immer mehr Menschen profitieren von den zahlreichen gesundheitsfördernden Programmen, die von der STGKK beispielsweise in Kindergärten, Schulen oder Betrieben angeboten werden. In erster Linie geht es darum, die Zahl der gesunden Lebensjahre zu erhöhen, damit wir nicht nur immer älter, sondern immer GESÜNDER älter werden."

 

Der Gesundheitsbericht Steiermark 2015

Im Vergleich zu 2006/07 ist 2014 der Anteil der Steirerinnen und Steirer, die ihren Gesundheitszustand selbst als sehr gut einstufen, gesunken, der Anteil derjenigen, die ihren Gesundheitszustand als gut einstufen, ist gestiegen. Betrachtet man die Anteile der Bevölkerung die ihren Gesundheitszustand selbst als sehr gut oder gut einstufen gemeinsam, so ist der subjektiv empfundene Gesundheitszustand der Bevölkerung gestiegen (2006/07: 73,9 %; 2014: 76,6 %).

 

Im Jahr 2010 wurden 5.000 Steirerinnen und Steirer in steirischen Krankenanstalten aufgrund eines Schlaganfalles behandelt, 2011 waren es mit 5.060 geringfügig mehr, danach kam es insgesamt zu einem Rückgang der Schlaganfallpatientinnen und -patienten auf 4.733 im Jahr 2015. Der Rückgang der Schlaganfallpatientinnen und Schlaganfallpatienten lässt darauf schließen, dass präventive Maßnahmen im Bereich Bewegung und Ernährung, die in der Steiermark seit Jahren forciert werden, ihr Wirkung zeigen. Aber auch in der Behandlung von Schlaganfallpatientinnen und -patienten kann positiv auf die gut ausgebaute Versorgung mit Stroke-Units verwiesen werden. Durch Information und angestimmte Kommunikationsprozesse werden Patientinnen und Patienten im Falle eines Schlaganfalls rasch in die richtige Versorgungseinheit gebracht.

4,5 % der Steirerinnen und Steirer geben an, an Diabetes zu leiden. Männer sind häufiger als Frauen von Diabetes betroffen. Der Anteil an Diabetikerinnen und Diabetikern steigt bis in die höchste Altersgruppe. Der niedrigste Anteil ist in der Bevölkerungsgruppe mit Hochschulabschluss zu finden. Um diesen Ergebnissen entgegenzuwirken startet in der Steiermark im 2017 ein Projekt, das unterstützt durch telemedizinische Betreuung Betroffenen eine bessere Lebensqualität ermöglicht und durch regelmäßige Kontrolle zeitnah die richtigen Vorkehrungen zu treffen. Diese telemedizinische Versorgung wird in der Region Mürztal bei Menschen mit den Krankheitsbildern Hypertonie, Herzinsuffizienz und Diabetes mellitus durchgeführt.

Hochgerechnet hatte 2014 etwas über ein Viertel (26,6 %) der steirischen Bevölkerung in den letzten 12 Monaten chronische Kreuzschmerzen oder ein anderes chronisches Rückenleiden, in Österreich sind es mit 24,4 % etwas weniger. Gemeinsames Ziel der Landes-Zielsteuerungskommission ist es, in den Jahresarbeitsprogrammen die Versorgung im Bereich „chronischer Schmerz" aufzunehmen.

7 % der Steirerinnen und Steirer (etwas weniger als im Österreichschnitt) geben bei der Österreichischen Gesundheitsbefragung 2014 an, unter einer Depression zu leiden. (Frauen: 9 %; Männer: 5 %). Bei den Frauen ist der höchste Anteil in der Gruppe der 45 bis 54-Jährigen, bei den Männern in der Gruppe der über 75-Jährigen. Bei den Suizidraten liegt die Steiermark im Österreichvergleich relativ weit vorne: Im Jahr 2014 wurden knapp 1,9 % der Todesfälle (166 Männer; 54 Frauen) als Suizide klassifiziert, am meisten davon in der westlichen Obersteiermark (MU, MT). Mit Projekten wie der „GO ON Suizidprävention", der Etablierung der alterspsychiatrischen Versorgung und der Integration des flächendeckenden psychosozialen Beratungsangebotes in künftige Primärversorgungsstrukturen setzt die Steiermark Maßnahmen um die psychische Gesundheit der Steirerinnen und Steirer zu stärken.

Zum derzeit priorisierten Schwerpunktziel „Mit Ernährung und Bewegung die Gesundheit der Steirerinnen und Steirer verbessern" sind folgende Ergebnisse zentral:

33,9% der Steirerinnen und Steirer sind übergewichtig, 14,2% adipös (Österreich: 33,8% und 15,1%). Während die Anteile von Übergewicht sowohl in der Steiermark als auch im österreichischen Durchschnitt geringer werden (Österreich: von 37,1 % auf 33,8 %; Steiermark: von 41,6 % auf 33,9 %), ist der Anteil von Adipositas fast überall in der Bevölkerung gestiegen (2006/07: 10,7%, 2014: 14,2%).
Eine aktuelle Erhebung der Fach- und Koordinationsstelle Ernährung in Kooperation mit der Arbeiterkammer Steiermark zeigt, dass eine gesunde Ernährung ungefähr gleich viel kostet wie eine übliche Ernährung. Es gibt zwar Mehrkosten durch die größeren Mengen an Gemüse und Obst sowie an Milchprodukten, Getreideprodukten und Fisch, diese können aber durch eine Reduktion bei Fleisch und Wurst sowie bei den Getränken und den Süßigkeiten ausgeglichen werden. Konkret kostet die berechnete gesunde Ernährung für einen Erwachsenen im Durchschnitt um 8 % mehr als die berechnete übliche Ernährung und kommt auf durchschnittlich € 186/Monat/Person. Die durchschnittlichen Kosten der angenommen üblichen Ernährung belaufen sich auf € 172/Monat/Person.

Knapp ein Viertel (23,4%; Österreich: 22,5%) der steirischen Bevölkerung erfüllt die österreichische Empfehlungen für gesundheitswirksame Bewegung (150 Minuten Bewegung mittlere Intensität und 2-mal wöchentlich muskelkräftigende Übungen).

Damit mehr Menschen diese Empfehlungen erfüllen, werden in der Steiermark derzeit fünf Projekte, gefördert aus dem Gesundheitsförderungsfonds, umgesetzt, die maßgeblich auf gesundheitswirksame Bewegung sowie deren Rahmenbedingungen Einfluss nehmen sollen (Primary Care und Bewegungskompetenz, Gesundheitsfördernder Fußball, Gemeinden leben bewegt, Generationenspielplatz, HEPA).

Alkoholassoziierte Todesfälle sind bei Männern doppelt so hoch wie bei Frauen. Insgesamt wurden 2014 82 alkoholassoziierte Todesfälle pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner gezählt (Österreich: 77/100.000 EW). Im zeitlichen Verlauf ist ein rückläufiger Trend zu erkennen, außer bei Personen mit 85 und mehr Jahren. Dazu wird in der Steiermark gerade an der Umsetzung des Aktionsplanes zur Alkoholprävention gearbeitet.

Gesundheitskompetenz ist die Fähigkeit, relevante Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen und zu beurteilen. Sie umfasst also Wissen über die Themen Krankheitsbewältigung, Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung. Bei der Gesundheitskompetenz ist die Steiermark im Bundeländervergleich leider Schlusslicht. 36,8 % der Befragten in der Steiermark verfügen über eine exzellente oder ausreichende Gesundheitskompetenz. Der Grad der Gesundheitskompetenz ist von der persönlichen Motivation abhängig, aber auch davon, wie verständlich sich das Gesundheitswesen präsentiert.

„Gerade hier wollen wir mit dem Steirischen Gesundheitsplan 2035 zu einer Verbesserung beitragen. Die beiden Dialogtage und die 7 Regionalkonferenzen in den letzten Wochen und Monaten haben gezeigt, dass einerseits großes Interesse über die Zukunft der steirischen Gesundheitsversorgung besteht, aber es wurde auch Sorge zum Ausdruck gebracht, dass die Versorgung schlechter werden könnte. Wir wollen jedoch mit dem Steirischen Gesundheitsplan alle Steirerinnen und Steirer einbinden und gemeinsam den neuen Weg zu einer ausgewogenen, gleichwertigen und leistbaren Gesundheitsversorgung gehen. Damit wir unser Ziel, dass die Steirerinnen und Steirer gesünder sind und länger leben, als der Rest der Welt, auch erreichen", ergänzt der Gesundheitslandesrat abschließend.

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