Link zur Startseite

NÜCHTERN BETRACHTET.

Steirischer Aktionsplan Alkoholprävention

v.l.n.r. Obfrau der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse Verena Nussbaum und Gesundheitslandesrat Christopher Drexler © Gesundheitsfonds Steiermark/ Loske
v.l.n.r. Obfrau der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse Verena Nussbaum und Gesundheitslandesrat Christopher Drexler
© Gesundheitsfonds Steiermark/ Loske

Der Gesundheitsfonds Steiermark veranstaltete am vergangenen Mittwoch bereits zum neunten Mal die Steirische Gesundheitskonferenz. Die diesjährige Tagung beschäftigte sich mit dem Thema Alkoholprävention.

Jede/r sechste erwachsene ÖsterreicherIn konsumiert Alkohol über der Harmlosigkeitsgrenze und dieses Sechstel zeichnet für 75 % des Gesamtkonsums verantwortlich. Jede/r zehnte ÖsterreicherIn ist einmal im Leben alkoholabhängig und auch jeder zehnte Todesfall betrifft eine/n „AlkoholikerIn" (ESPAD-Studie 2007). Im Bundesländervergleich sind SteirerInnen von den Folgen des Alkoholkonsums überdurchschnittlich betroffen: Gegenwärtig ist von mindestens 50.000 Abhängigkeitserkrankten auszugehen und weitere 125.000 Personen zeigen ein problematisches Konsumverhalten. Der Konsum legaler und illegaler Suchtmittel lastet insgesamt ebenso schwer auf der Gesundheit der Bevölkerung wie Übergewicht und Adipositas, Bluthochdruck, Cholesterin sowie schlechte Ernährung und Bewegungsmangel zusammen (Die Neue Steirische Suchtpolitik. Amt der Stmk. Landesregierung, FA8B, Sanitätsdirektion). Das Wiener Institut für Höhere Studien errechnete direkte medizinische Krankheitskosten (2011) in der Höhe von € 375 Millionen jährlich.
Im Oktober 2011 bekannte sich das Land Steiermark zu einer neuen Steirischen Suchtpolitik. Der Landtag Steiermark beschloss in der Folge einstimmig, dass ein Aktionsplan zur Alkoholprävention umgesetzt werden soll, dessen Ziele die Verringerung der individuellen und gesamtgesellschaftlichen Belastungen durch missbräuchlichen, krankheitswertigen und abhängigen Konsum von alkoholischen Genussmitteln sowie die Verringerung der indirekten Folgen von Alkoholkonsum in der Steiermark sind. Die Suchtkoordination des Landes Steiermark koordinierte und leitete im Auftrag des Landtages Steiermark die Vorbereitungsphase für den Aktionsplan. Die daraus entstandenen Empfehlungen stellen folgende Schwerpunkte dar:

  • Investitionen in Suchtprävention bei Kindern, Jugendlichen und Familien
  • Investitionen in Betriebliche Alkoholprävention
  • Selbstverpflichtung, Anreize und Schulungen in Gastronomie, Handel und Tankstellen
  • Aktivierende Maßnahmen in Bezug auf Feste und Feiern
  • Sicherstellen von Kapazitäten für steigenden Beratungs- und Therapiebedarf
  • Kommunikationskonzept im Rahmen des Steirischen Aktionsplans Alkoholprävention
  • Politische Gesundheitsarbeit

Diese Maßnahmen im Rahmen des Steirischen Aktionsplans Alkoholprävention sind Teil des Rahmenziels der Neuen Steirischen Suchtpolitik „die Reduktion individueller und gesamtgesellschaftlicher Belastungen durch missbräuchlichen, krankheitswertigen und abhängigen Konsum von alkoholischen Getränken sowie die Verringerung der indirekten Folgen von Alkoholkonsum" und werden zur Beschlussfassung dem Landtag Steiermark vorgelegt.

Gesundheitskonferenz Steiermark „NÜCHTERN BETRACHTET"
Die 9. Steirische Gesundheitskonferenz bot nationalen und internationalen ExpertInnen die Möglichkeit, diesen Aktionsplan zu beleuchten. Es wurden auch Maßnahmen anderer Institutionen präsentiert.
Harald Gaugg, Geschäftsführer des Gesundheitsfonds Steiermark erläuterte in seinen einleitenden Worten den Zusammenhang des Landes-Zielsteuerungsvertrages, der zwischen Land Steiermark und Sozialversicherung im letzten Jahr abgeschlossen wurde, und der Erarbeitung bzw. Umsetzung des Aktionsplans Alkoholprävention.

Landesrat Christopher Drexler: „Aus guten Gründen hat die Alkoholkultur einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft, dabei darf man aber nicht übersehen, dass es im Schatten auch viel Unglück gibt. Die Alkoholkrankheit, von der immerhin in der Steiermark mehr als 50.000 Personen betroffen sind, wird in der Gesellschaft immer noch oftmals tabuisiert. Alkoholprävention ist daher eine der größten Aufgaben der Gesundheitspolitik".

„Das Thema Alkohol ist gerade in Österreich mit vielen Tabus und Klischees behaftet und wird daher in der Öffentlichkeit häufig nicht als Problem wahrgenommen. Die Wahrheit sieht leider anders aus: Im OECD-Vergleich liegt Österreich beim Pro-Kopf-Alkoholkonsum an dritter Stelle, 24 Prozent der Männer und zehn Prozent der Frauen konsumieren täglich eine Alkoholmenge, die bereits ein beträchtliches Gesundheitsrisiko darstellt", weiß die Obfrau der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse, Verena Nussbaum. Der Sozialversicherung ist die Bedeutung der Alkoholprävention sehr wohl bewusst, eine trägerübergreifende Arbeitsgruppe wird sich intensiv mit der Thematik beschäftigen. Nussbaum: „Durch ihre zahlreichen Aktivitäten im Bereich der Gesundheitsförderung kann die Steiermärkische Gebietskrankenkasse hier wertvolle Basisarbeit leisten. Es muss viel besser im Bewusstsein der Menschen verankert werden, Alkohol nicht nur als gesellschaftlich akzeptiertes Genussmittel, sondern auch als legale Droge mit hohem Suchtpotential zu begreifen."

Jürgen Rehm, Direktor für Sozialforschung und Epidemiologie am Zentrum für Abhängigkeitserkrankungen und seelische Gesundheit in Toronto, unterscheidet in seinem Vortrag strikt zwischen verhältnis- und verhaltenspräventiven Maßnahmen. Wobei die Verhältnisprävention Einfluss auf Gesundheit bzw. Krankheit nimmt, indem sie Veränderungen der Lebensbedingungen des Menschen anstrebt; im Gegensatz dazu beeinflusst die Verhaltensprävention das individuelle Gesundheitsverhalten. Allgemein ist für die Verminderung alkoholbedingter Schäden Verhältnisprävention wirksamer und vor allem auch kosteneffektiver.

Ist zwanghafter Konsum von Alkohol eher ein Laster oder eine Krankheit? Diese Frage beleuchtete Martin Kurz, Leiter des Zentrums für Suchtmedizin an der Landesnervenklinik Sigmund Freud und fachlicher Berater des Aktionsplans Alkoholprävention. Der Vortrag war ein kultur- und medizingeschichtlicher Abriss des aktuellen suchtmedizinischen Wissensstandes, der auch gewohnte Sichtweisen in Frage stellte.

Die beiden Vorträge von Andreas Prenn, Leiter der Supro - Werkstatt für Suchtprophylaxe in Götzis/Vlbg., bzw. Martina Rummel, Psychologin am Institut für Betriebliche Suchtprävention in Berlin, behandelten Beispiele erfolgreicher Alkoholprävention sowohl im betrieblichen Umfeld als auch auf kommunaler Ebene speziell bei der Zielgruppe der Jugendlichen.

Der zuständige Suchtkoordinator des Landes Steiermark, Klaus Peter Ederer, hat in seinem Beitrag die Erarbeitung dieses Steirischen Aktionsplans Alkoholprävention, mit ExpertInnen aus den Bereichen der Suchtprävention, Suchthilfe sowie mit wesentlichen AkteurInnen aus den Bereichen Gesellschaft, Wirtschaft und Hilfsangebote (Polizei, ...) präsentiert. Der Aktionsplan, der bis 2020 umgesetzt werden soll, hat zum Ziel, dass eine Veränderung der alkoholbezogenen Gesundheit der Bevölkerung sichtbar wird.

Die Umsetzung des Aktionsplan Alkoholprävention ist ein Schwerpunkt in der Gesundheitspolitik Steiermark. ,,Es gilt das Gesundheitsziel, Bewusstsein im Umgang mit Alkohol in der Steiermark zu fördern", so Gesundheitslandesrat Drexler abschließend.

 

 

Rückfragehinweis:
GESUNDHEITSFONDS Steiermark, Bernadette Matiz-Schunko, MAS
Tel. +43 (0) 316 877-4963 oder E-Mail: bernadette.matiz-schunko@stmk.gv.at