
Neues aus der Stammzellenforschung: Lang kultivierte Zellen haben ein Ablaufdatum, aber es gibt keine Hinweise auf maligne Entartung
Erkenntnisse rund um adulte Stammzellen und deren Einsatz zur Heilung von Krankheiten galten als eine der ganz großen Errungenschaften in der Medizin in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren - und es wurden in sie auch ganz große Hoffnungen für die Zukunft gesetzt, von der Reparatur von Knochenbrüchen, kaputter Herzen bis hin zur Therapie von Multipler Sklerose und Krebs. In der Therapie Leukämie kranker Menschen hat der Einsatz adulter Stammzellen bis jetzt zu den beachtlichsten Erfolgen geführt. Ziel der Stammzellen-Therapie ist es generell, kranke oder geschädigte Zellen mit einer Transplantation durch gesunde zu ersetzen.
Ein Wissenschaftler-Team der Med Uni Graz rund um Priv. Doz. Dr. Dirk Strunk hat im Rahmen der Stammzellenforschung nun jedoch Ergebnisse zutage gebracht, die diese Euphorie etwas einbremsen. Strunk: „Für therapeutische Anwendungen sind große Mengen an Zellen notwendig, diese müssen also zuvor erst im Labor über einen längeren Zeitraum kultiviert werden. Und genau darin liegt das Problem, das bis dato noch nicht wissenschaftlich untermauert war. Unsere Forschung hat nämlich ergeben, dass der Vermehrung der Zellkulturen Grenzen gesetzt sind, da es bei längerer Kultivierung zu einem Alterungsprozess kommt - und das wirkt sich negativ auf die Teilungs- und Funktionsfähigkeit von Stammzellen aus." Und der Experte verdeutlicht: „Diese Veränderungen, wie schlechtere und langsamere Teilung der Zellen, treten nach etwa 30 bis 40 Generationen auf. Dreißig Zellteilungen bedeuten, dass aus einer Zelle eine Milliarde Zellen geworden sind, eine Menge, die in einem Joghurtbecher Platz hat. Üblicherweise wird für therapeutische Anwendungen jedoch weniger als diese Menge benötigt. Das heißt, die Ergebnisse rund um den Alterungsprozess gelten für Stammzellen ab der 30. bis 40. Generation.
Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung könnte übrigens die Grundlage für die Bestimmung von Alterungsprozessen in Zellkulturen sein - nämlich die genetischen Signaturen. Ein Patent dafür wurde bereits angemeldet.
Eine andere Studie rund um adulte Stammzellen des Grazer Wissenschaftler-Teams wurde in der renommierten Zeitschrift „Haematologica" veröffentlicht. Strunk: „Im Zusammenhang mit adulten Stammzellen bestand auch stets die Befürchtung der malignen Entartung - doch dafür konnten keine wissenschaftliche Hinweise gefunden werden.
Was Stammzellen eigentlich sind?
Sie sind die Ursprungszellen des Lebens. Aus ihnen bilden sich Gewebe, Muskeln, Knochen und Nervenfasern sowie sämtliche Organe. Je nach Quelle unterscheidet man embryonale und adulte Stammzellen. Embryonale Stammzellen entstehen nach der Befruchtung einer Eizelle. Ihre Gewinnung kann nur aus Embryonen erfolgen und ist in den meisten europäischen Ländern aus ethischen Gründen nicht zulässig.
Adulte Stammzellen befinden sich hingegen lebenslang im Körper des Menschen und werden etwa aus Knochenmark, Eigenblut oder der Nabelschnur gewonnen. Aus ihnen bilden sich Gewebe wie Haut, Muskeln, Knochen, Nervenfasern usw. Stammzellen sind in der Lage, das gesamte Blut- beziehungsweise Immunsystem eines Menschen aus sich heraus neu aufzubauen, indem sie sich permanent teilen und zu roten oder weißen Blutkörperchen werden. Ihre Aufgabe ist es zudem, alte und kranke Zellen zu erneuern. Dank dieser Fähigkeit zur Reparatur des gesamten Organismus werden Stammzellen ja auch immer häufiger zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt.
