20. März 2010

Listerien in steirischem Käse – Experten-Tipps

 Große Verunsicherung herrscht unter Konsumenten jener steirischen Käsesorten, die jüngst aufgrund erhöhter Listerienbelastung aus dem Verkehr gezogen wurden. Doch die Experten geben Entwarnung: Keine Panik, die Wahrscheinlichkeit einer Infektion ist für gesunde Menschen minimal, Risikogruppen sollten sich in den nächsten Wochen beobachten.

 

Zum Teil wahre Panikreaktionen hat die Nachricht, dass es jüngst die in Österreich bis dato größte Rückholaktion bei Käse gegeben hat, ausgelöst. Am Grazer Hygieneinstitut liefen die Telefone heiß, weil vor allem jene, die den Käse bereits verzehrt hatten, wissen wollten, welche Gefahr für sie besteht beziehungsweise wie sie jetzt einer möglichen Infektion vorbeugen können.


Dazu Dr. Burkhard Springer, von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Bereich Humanmedizin, Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene in Graz): „Meine Empfehlung an all jene Personen, die von jenen Käseprodukten welche jetzt aus dem Verkehr gezogen wurden gegessen haben ist, vorerst einmal nichts zu tun. Laut ersten Untersuchungen liegen die Listerienwerte unter 100 Bakterien pro Gramm - ein Bereich also, der grundsätzlich nicht bedenklich ist."


Keinen Sinn macht es, so der Experte, aus Überbesorgtheit jetzt etwa Stuhluntersuchungen durchführen zu lassen, weil Listerien grundsätzlich im Darm vorkommen und bei rund fünf Prozent der Bevölkerung auch immer wieder einmal über den Stuhl ausgeschieden werden.


Springer: „Auch von einer Antibiotikaprophylaxe rate ich ab, bei einer derart minimalen Wahrscheinlichkeit für eine Infektion, würde man seinen Körper dadurch mehr belasten als nützen."


Zu erhöhter Aufmerksamkeit in den nächsten Wochen - die Ansteckungszeit beträgt nämlich 70 Tage - rät Springer jedoch Risikogruppen - Schwangere, Ältere, Neugeborene, chronisch Kranke und Menschen mit geschwächtem Immunsystem: „Wenn sich hier Krankheitssymptome wie Kopfschmerzen oder Fieber einstellen, grundsätzlich grippeähnliche Symptome auftreten, den Arzt aufsuchen und ihm auch unverzüglich mitteilen, dass man von diesem Käse gegessen hat."

 

Was sind Listerien?
Bakterien, die in der Umwelt weit verbreitet sind, in Abwässern, der Erde, in Kompost und auf Pflanzen. Auch Lebensmittel tierischer Herkunft wie Rohmilch, Weichkäse, Räucherfisch oder rohes Fleisch und Geflügel können etwa beim Melken und Schlachten aber auch in der Weiterverarbeitung verunreinigt werden. Aufgrund ihrer für Bakterien ungewöhnlichen Fähigkeit zu Wachstum bei niedrigen Temperaturen können sich Listerien auch im Kühlschrank vermehren.

 

Was ist an Listerien gefährlich?
Die Aufnahme der Bakterien erfolgt hauptsächlich durch den Verzehr von kontaminierten tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln. Die Inkubationszeit beträgt drei bis 70(!) Tage. Eine Weiterverbreitung ist durch Übertragung von Mensch zu Mensch sowie durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren möglich - dann kann es zu einer Listeriose kommen. Diese Erkrankung ist grundsätzlich selten, aber sehr gefährlich: Trotz gezielter Therapie verlaufen nach wie vor bis zu 30 Prozent der Erkrankungen tödlich.

 

Die Symptome!
Bei gesunden Erwachsenen kann die Infektion ablaufen, ohne dass es zu Symptomen kommt - mitunter führt die Infektion zu Durchfällen.
Bei abwehrgeschwächten Menschen, chronisch Kranken, Neugeborenen und alten Personen können sehr plötzlich heftige Kopfschmerzen, starkes Fieber, Übelkeit und Erbrechen auftreten. Bei Schwangeren verläuft die Erkrankung ebenfalls meist unauffällig, allerdings besteht die Gefahr einer Infektion des ungeborenen Kindes - sowie das Risiko einer Früh- beziehungsweise Fehlgeburt. Infizierte Säuglinge erkranken häufig an einer Hirnhautentzündung.

 

Wie kann ich vorbeugen?
Die Einhaltung allgemeiner Küchenhygiene-Regeln spielt eine wichtige Rolle bei der Vermeidung von Infektionen mit Listerien. Fleisch- und Fischgerichte sollten daher gründlich durchgegart, Rohmilch abgekocht und Faschiertes nicht roh gegessen werden. Obst, Gemüse und Salate vor dem Verzehr gründlich waschen! Die Zubereitung von Fleisch und rohem Gemüse muss in der Küche auf getrennten Arbeitsflächen oder zeitlich getrennt vorgenommen werden. Diese Arbeitsflächen nach Gebrauch gründlich reinigen, Frisch gekochte Speisen bei der Lagerung im Kühlschrank abdecken, damit keine Keime in die Speisen gelangen können.