09. Februar 2010

Grippe-Impfung (Influenza)

Die "echte" Grippe

 Die Grippe ist eine akute, meist in Epidemien während der kalten Jahreszeit auftretende schwere Erkrankung, die von der gewöhnlichen Erkältung bzw. dem grippalen Infekt zu unterscheiden ist. Sie wird durch Influenza-Viren, die ihr Erscheinungsbild häufig ändern, ausgelöst und endet nicht selten - vor allem bei alten Personen und Personen mit Vorerkrankungen der Lunge oder des Herzens - tödlich. Die Symptome sind hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Husten, Heiserkeit und Halsschmerzen. Häufig kommt es zusätzlich zur bakteriellen Infektion der angegriffenen Schleimhäute. Die Folgen sind z.B. eine Lungenentzündung oder eine Entzündung des Herzmuskels. Die eindeutige Diagnose ist vor allem im Anfangsstadium schwierig, wodurch die Anwendung eines neu entwickelten Medikamentes (Zanamivir), das innerhalb von 48 Stunden genommen werden sollte, praktisch kaum möglich ist. Durch eine Grippe-Schutzimpfung, die einmal jährlich durchgeführt werden muss, kann der Erkrankung vorgebeugt werden.

Definition und Allgemeines

 

Die Bezeichnung Grippe stammt aus dem Französischen und hat eigentlich die Bedeutung von "Grille" oder "Laune". Sie ist wahrscheinlich auf das plötzliche, sprunghafte Auftreten der Erkrankung zurückzuführen. Der Begriff Influenza ist vom lateinischen influere abgeleitet und bedeutet "sich einschleichen", "einfließen".

Eine Grippe bzw. Influenza ist eine akut auftretende, fieberhafte, durch Viren hervorgerufene schwere Infektionskrankheit. Im Gegensatz zum grippalen Infekt, einer Erkältungskrankheit, handelt es sich bei der Influenza um eine ernste Erkrankung, die häufig zum Tode führt. Sie tritt vor allem epidemisch auf, d.h. gehäuft zu einer bestimmten Zeit an bestimmten Orten, und bevorzugt die kalte Jahreszeit. In größeren Zeitabständen von ca. 15 bis 20 Jahren werden weltweite Ausbreitungen, sogenannte Pandemien, beobachtet. Bereits im Mittelalter sind Grippeepidemien beschrieben worden. Die schwerste heute bekannte Pandemie war die von Spanien ausgehende spanische Grippe 1918-20. Damals erkrankten während 4 Wellen, mit denen sich die Erkrankung weltweit verbreitete ca. 500 Millionen Menschen. Man nimmt an, dass ca. 22. Millionen an der Influenza verstarben. Die nächste verheerende Pandemie nahm 1957 ihren Ausgang von Asien (Asiatische Grippe). Ebenfalls aus Asien breitete sich 1968-69 die Hongkong-Grippe aus. Sie forderte allein in Deutschland (West) ca. 6000 Tote, wohingegen in "normalen" Grippezeiten lediglich maximal 1000 Grippe-PatientInnen versterben.

Die letzte größere Pandemie wurde 1989 in Großbritannien und Frankreich beobachtet. Als 1997 in Hongkong innerhalb kürzester Zeit 6 Menschen an einer Grippe, verursacht durch ein von Geflügel auf den Menschen übergesprungenes Virus, verstarben, konnte der Ausbruch einer Pandemie nur durch eine Notschlachtung des Geflügels verhindert werden. Das Auftreten der Pandemien ist auf Besonderheiten der Influenzaviren, zurückzuführen. Diese können bevorzugt in Geflügel (Hühner und Enten) aber auch in Schweinen überleben, ohne allerdings eine Erkrankung der Tiere hervorzurufen. Gerade in asiatischen Ländern, wo Mensch und Tier häufig auf engstem Raum zusammenleben, können diese Viren sehr leicht auf den Menschen übergreifen.

Auch in Österreich beobachten wir fast jedes Jahr in den Wintermonaten eine erhöhte Aktivität des Influenzavirus und als direkte Auswirkung dieser Aktivität entsteht das Phänomen der sogenannten Übersterblichkeit: Im Vergleich zu Jahren ohne Grippeaktivität sterben deutlich mehr Personen, in den letzten Jahren jährlich rund 1000 bis 2000 Menschen mehr als zu erwarten wäre.

Erreger

Elektronenmikroskopaufnahme des Grippevirus 
Elektronenmikroskopaufnahme des Grippevirus
 
Die Grippe wird durch Influenza-Viren der Typen A, B und C hervorgerufen. Viren des Typs A zeigen besonders häufig Veränderungen ihrer Antigenstruktur, die in erster Linie auf Veränderungen zweier Eiweiße (Hämagglutinin und Neuraminidase), die sich in der Hülle des Virus befinden, hervorgerufen werden. Sie sind für das epi- bzw. pandemische Auftreten der Influenza verantwortlich, während Viren der Typen B und C eher einzelne Erkrankungen bedingen. Treten Antigenvarianten der Viren vom Typ A auf, besteht keine Immunität in der Bevölkerung durch früher durchgemachte Grippeerkrankungen. Umso wichtiger sind Schutzimpungen (s.u.).
 

Infektionsweg und Inkubationszeit

 Die Influenza wird durch Tröpfcheninfektion, d.h. durch Niesen, Husten, Sprechen, sowie direkten Kontakt, z.B. Händegeben oder Küssen, übertragen. Die Viren besiedeln die Schleimhäute der oberen Luftwege. Es handelt sich um eine Oberflächeninfektion, da sich die Viren in den Zellen der Schleimhäute vermehren und diese danach bevorzugt schädigen. Die schweren Verläufe sowie Komplikationen der Grippe sind meist durch zusätzliche Infektionen mit bestimmten Bakterien, sogenannte bakterielle Superinfektionen, bedingt. Diese variieren bei den einzelnen Pandemien, z.B. 1918 Haemophilus influenzae, 1957 Staphylo- und Pneumokokken.

Die Inkubationszeit beträgt einige Stunden bis zu 3 Tage.

Diagnose

 Aufgrund der Symptome kann die Diagnose der Grippe nur während einer Epi- oder Pandemie verhältnismäßig sicher gestellt werden. Mit dem Hirst-Test werden Antikörper im Serum nachgewiesen und der Titeranstieg im Verlauf beobachtet. Die Viren können aus Rachenspülflüssigkeit bzw. dem Nasensekret angezüchtet werden.

Hinzu kommen Blutbildveränderungen: anfangs eine Zunahme der weißen Blutkörperchen (Leukozytose), später eine deutliche Abnahme der weißen Blutkörperchen (Leukopenie).

Symptome

 Die Erkrankung beginnt plötzlich mit einem steilen Fieberanstieg, oft von Schüttelfrost begleitet. Zusätzlich treten schwere Kopf- und Gliederschmerzen auf und die PatientInnen fühlen sich schwer krank. Durch die Virusvermehrung in den oberen Luftwegen kommt es zu Reizhusten, Heiserkeit, Halsschmerzen, häufig auch zu Schmerzen hinter dem Brustbein. Infolge der Schleimhautschädigung besteht die Gefahr bakterieller Superinfektionen. Können diese vermieden werden, ist eine unkomplizierte Grippe nach etwa einer Woche ausgestanden. Leider treten jedoch häufig, wie bereits erwähnt, zusätzliche bakterieller Superinfektionen auf, bevorzugt durch Haemaphilus influenzae, Staphylo-, Strepto- und Pneumokokken. Als Folge davon kommt es zu Lungenentzündungen, Mittelohrentzündungen oder Entzündungen des Herzmuskels. Seltener werden Übergriffe der Erkrankung auf den Magen-Darm-Trakt und das Zentralnervensystem beobachtet.

Komplikationen

 

Die Komplikationen der Grippe entwickeln sich größtenteils aus den bakteriellen Superinfektionen. So können als Folge einer Lungenentzündung Abszesse in der Lunge entstehen. Zu den Lungenkomplikationen gesellen sich Komplikationen am Herz-Kreislauf-System, wie z.B. Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz, Lungenödem oder ein Kreislaufschock, die ihrerseits zum Tod des Patienten führen können. Nicht zu vergessen ist die lebensbedrohliche Gehirnentzündung.

Die Auswirkungen der Komplikationen hängen in starkem Ausmaß vom Gesundheitszustand jedes Einzelnen ab. Alte Menschen, Schwangere sowie Menschen mit Vorerkrankungen der Atemwege, z.B. bei chronischer Bronchitis, oder des Herzens, z.B. bei Klappenfehlern, sind besonders gefährdet. Allerdings wurden auch Epidemien beobachtet, die insbesondere bei jüngeren Menschen mit einer hohen Sterblichkeit einhergingen.

Prophylaxe und Impfempfehlung

 

Die Prophylaxe besteht in einer Schutzimpfung: Diese ist jährlich zu erneuern, da ständig neue Antigenstrukturen auftreten können (Viren vom Typ A). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat dazu ein zentrales Meldesystem aufgebaut, um sofort mit der Entwicklung eines neuen Impfstoffes reagieren zu können, wenn ein "neues" Virus auftaucht. Die empfohlenen Impfstoffe stellen eine Mischung dar, die gegen verschiedene Influenza-Viren wirksam sind. Die Impfung sollte vor Begin der Grippesaison im Oktober/November erfolgen, da die meisten Krankheitsfälle zwischen Dezember und April auftreten. Nach der Impfung benötigt das Immunsystem rund 14 Tage, um einen vollständigen Immunschutz aufzubauen, er beginnt frühestens nach einer Woche. Mit der Impfung gelingt es, ca. 80 bis 90 % der Geimpften vor einer Erkrankung zu schützen oder aber zumindest einen milden, komplikationslosen Verlauf zu erreichen. Eine solche Grippe-Schutzimpfung schützt allerdings nicht vor einem grippalen Infekt (Erkältung).

Der Impfstoff ist sehr gut verträglich. Für Personen über 65 Jahren steht ein sogenannter adjuvierter Impfstoff zur Verfügung, dessen Antikörper-Induktion deutlich höher liegt als bei Nicht-adjuvierten.

Nebenwirkungen der Schutzimpfung gegen Influenza sind sehr selten. Sie beschränken sich auf lokale Beschwerden (Rötung, Schwellung, Schmerzhaftigkeit an der Injektionsstelle für 1-3 Tage) oder leichte Allgemeinbeschwerden (Fieber, Gliederschmerzen, Mattigkeit, Unwohlsein, etc.), die als Ausdruck der Auseinandersetzung des Organismus mit dem Impfstoff zu werten sind. Der Impfstoff selbst kann keine Influenza-Erkrankung auslösen, schützt aber natürlich auch nicht vor Erkältungskrankheiten, die nicht durch das Influenza-Virus ausgelöst sind.

Für den Impfstoff im kommenden Winter wurde folgende Zusammensetzung empfohlen; aufgeführt sind die derzeit zirkulierenden Stämme (kursiv) und die Stämme, deren Antigene in den neuen Impfstoffen enthaltenen sind:

  • ein A / New Caledonia / 20 / 99 (H1N1)-ähnlicher Virusstamm
    (Reassortante IVR-116)
  • ein A / Moscow / 10 / 99 (H3N2)-ähnliches Virus
    (Reassortante RESVIR 17)
  • ein B / Sichuan / 379 / 99-ähnlicher Stamm
    (B / Johannesburg / 5 / 99 oder B / Guandong / 120/2000)

A und B bezeichnen die Virustypen, der Ortsname bezieht sich auf den Ort der Virusisolierung; die erste Ziffer gibt die Nummer des jeweils isolierten Stamms an, die zweite bezieht sich auf das Isolierungsjahr; mit H und N werden die beiden wichtigsten Proteine der Virushülle Hämagglutinin und Neuraminidase abgekürzt, die Ziffer dahinter bezeichnet den aktuellen Hämaglutinin- bzw. Neuraminidase-Subtyp.

Empfehlungen zur Vorbeugung

In Österreich ist die Durchimpfungsrate noch viel zu gering. Die WHO-Empfehlung geht dahin, jeden Arztkontakt zur Überprüfung des Impfschutzes zu nutzen, vor allem zu Beginn der kalten Jahreszeit.

Wegen besonderer Gefährdung empfiehlt der Oberste Sanitätsrat eine Grippe-Impfung explizit für Personen, die folgenden Gruppen angehören:

  • Kinder (ab 7. Lebensmonat), Jugendliche und Erwachsene mit erhöhter Gefährdung infolge eines Grundleidens: chronische Lungen-, Herz-, Kreislauferkrankungen, Erkrankungen der Nieren, Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes mellitus und Immundefekte (angeboren oder erworben),
  • Personen, die älter als 60 Jahre sind,
  • Betreuungspersonen (z.B. in Spitälern, Altersheimen und im Haushalt) von Risikogruppen (kranke Kinder, Altersheim),
  • Personal mit häufigen Publikumskontakten,
  • Bei Reisen in Epidemiegebiete für alle Reisenden.

Da Influenza bei jungen Säuglingen besonders schwer verlaufen kann, ist eine Impfung für Betreuungspersonen (Eltern, Großeltern etc) angezeigt, solange diese Kinder noch nicht selbst geimpft werden können.

Der Influenza-Impfstoff hat bei unter 60-jährigen, gesunden Personen, je nach Übereinstimmung mit den dann tatsächlich zirkulierenden Viren, eine Effektivität von 70-90%, kann aber bei Älteren deutlich niedriger liegen. Allerdings ist der Impfstoff bei Älteren in Altenheimen auch 50-60% effektiv in der Verhinderung von Krankenhauseinweisungen wegen Influenza und 80% effektiv in der Verhinderung von Influenza-bedingten Todesfällen.

Zu beachten ist, dass bei Kindern unter 3 Jahren eine reduzierte Dosis verwendet wird.

Therapie

 

Allgemeine Maßnahmen:

  • Reichlich Flüssigkeitszufuhr, da auf Grund des Fiebers viel Flüssigkeit verloren geht.
  • Bettruhe
  • Viel Schlaf
  • Weder Zigaretten- noch Alkoholkonsum
  • Schonen, bis die Krankheit vorüber ist.
  • Kontaktieren des Hausarztes/Hausärztin, vor allem bei starken Beschwerden und wenn die Beschwerden nach einer Woche nicht abgenommen haben

 

Spezifische Maßnahmen:

Zur Therapie stand bisher nur der Wirkstoff Amantadin (Handelsname Symmetrel) zur Verfügung.

Die Entwicklung eines Medikamentes gegen Influenza gestaltete sich bisher als sehr schwierig, weil der Erreger sein Erscheinungsbild häufig ändert. Aus diesem Grunde muss der Impfstoff in jeder Saison neu angepasst werden.

Die Entdeckung des Enzyms Neuraminidase führte zur Entwicklung von Medikamenten mit einem neuartigen Wirkungsmechanismus. Das Enzym Neuraminidase benötigt das Virus, um die neu hergestellten Viruspartikel aus der Wirtszelle zu entlassen, damit neue Zellen infiziert werden können. Das Reaktionszentrum dieses Enzyms (Schlüssel-Schloß-Prinzip) ist bei allen Virussubtypen gleich gebaut und kann daher durch ein Medikament blockiert werden. Der erste zugelassene Wirkstoff, der nach diesem Prinzip funktioniert heißt Zanamivir (Handelsname Relenza). Ein weiterer, er heißt GS 4104 (Handelsmname Tamiflu) , ist bisher nur in der Schweiz erhältlich.

 

Zanamivir liegt als Pulver vor, welches über ein besonderes Taschengerät inhaliert werden kann. Über fünf Tage hinweg müssen im Abstand von zwölf Stunden je zwei Dosen zu 5 mg inhaliert werden. Wird das Medikament innerhalb der ersten zwei Tage nach dem ersten Auftreten der typischen Krankheitssymptome wie Abgeschlagenheit, hohes Fieber, Muskel- und Gelenkschmerzen, Husten und belegte Zunge eingenommen, so kommt es zu einer raschen Besserung der Symptome und zu einem milderen Krankheitsverlauf. Außerdem scheint sich die Ansteckungsgefahr durch die Behandlung zu verringern.

Die Nebenwirkungsrate ist mit drei Prozent niedrig. Es wurden als Nebenwirkungen Erbrechen, Durchfälle und Entzündungen der Kieferhöhle beobachtet. Unerwünschte Nebenwirkungen im Zusammenhang mit der Einnahme anderer Medikamente wurden bisher nicht beobachtet. Zanamivir ist geeignet für Jugendliche ab zwölf Jahren und Erwachsene. Besonders für PatientInnen mit Erkrankungen der Lunge und der Atemwege (z.B. AsthmatikerInnen) besteht bei der Inhalation des Medikamentenpulvers ein erhöhtes Risiko einen Bronchiospasmus (Verkrampfung der Bronchiusmuskulatur) zu erleiden, der mit schwerer Atemnot einhergehen kann. Ein Spray zur Entkrampfung (Bronchiodilatator) sollte daher bereitstehen.

Da die von einer Grippe verursachten Krankheitssymptome auch von ganz anderen und damit anders zu behandelnden Erregern ausgelöst werden können, ist es nicht leicht, die Diagnose Influenza zu stellen und dann eine antivirale Therapie einzuleiten. Zum Erregernachweis steht bisher ein Antigentest und eine Schnellkultur zur Verfügung. Es ist nicht klar, ob sie sich für den breiten Routineeinsatz eignen.

Eine unkritische Anwendung dieser neuen Medikamente könnte erhebliche Probleme aufwerfen, da aus Laborversuchen mit Zanamivir bekannt ist, dass die Influenzaviren gegenüber dem Wirkstoff resistent werden können. Wie sich diese Tatsache bei breitem Einsatz der Medikamente am Menschen auswirken könnte, ist noch unklar.

Obgleich von Zanamivir eine Verbesserung der Behandlung zu erwarten ist, können sie die Impfung als Vorsorgemaßnahme nicht ersetzen. Die Impfung und der Wirkstoff Zanamivir beieinflussen sich gegenseitig nicht.

Referenzen

 

www.medicine-worldwide.de/krankheiten/infektionskrankheiten/index.html

Robert-Koch-Institut: www.rki.de/INFEKT/INFEKT.HTM

Zentrum für Reisemedizin/Abteilung für spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der Universität Wien: www.reisemed.at/